Baden-Württemberg hat beim Photovoltaikausbau im Jahr 2025 einen neuen Rekord nur knapp verfehlt. Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen haben insgesamt 2.060 Megawatt Leistung installiert. Das waren rund 200 Megawatt weniger als 2024, aber mehr als in den vergangenen Jahren seit 2001. Im Jahresvergleich liegt das Jahr 2025 daher auf Platz zwei. Darauf weist das Solar Cluster Baden-Württemberg hin. Die vorläufigen Zahlen basieren auf Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur und Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Sie können sich noch leicht erhöhen. 2026 wird ein entscheidendes Jahr für den weiteren Ausbau der wichtigen Photovoltaik im Südwesten: Die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) steht an. Ebenso die Landtagswahl im März, die Änderungen in der Energie- und Klimapolitik mit sich bringen könnte. Die auf Bundesebene geplante Streichung der Einspeisevergütung für neue Kleinanagen müsse zurückgenommen oder ein gleichwertiger Ersatz geschaffen werden, fordert Carolin Grieshop, die neue Geschäftsführerin des Solar Clusters. Sonst gerate die Zielmarke 4.000 Megawatt Zubau pro Jahr aus dem Blick. Im Fall der negativen Strompreise müssten Neuanlagenbetreiber dagegen stärker auf Eigenverbrauch und Speicherung setzen.
Aufgrund von Nachmeldungen können sich die Zahlen noch geringfügig ändern, die Richtung ist jedoch klar. Zwischen Lörrach und Wertheim blieb die Nachfrage nach Solaranlagen weiter erfreulich hoch. Im Südwesten kamen 2025 rund 132.400 neue Solarstromanlagen auf Gebäudedächern und Freiflächen hinzu. Von den 2.060 Megawatt neu installierter Leistung entfallen 1.388 Megawatt auf Gebäudeanlagen und 673 Megawatt auf Solarparks. Die Anzahl der neu hinzugekommenen Dachanlagen ist zurückgegangen, im Vergleich zu 2024 (1.711 Megawatt) gab es ein Minus von 19 Prozent. Die neu installierte Freiflächen-Photovoltaik wuchs von 540 Megawatt im Jahr 2024 auf nun 673 Megawatt – ein Plus von 25 Prozent. Entsprechend stieg auch deren Anteil am gesamten Zubau: 2024 lag er noch bei 24 Prozent, nun liegt er bei 33 Prozent.
Was den Photovoltaikausbau im Jahr 2025 angeht, konnte der Südwesten Nordrhein-Westfalen überholen und liegt nun bundesweit wieder auf Platz zwei. Nur Bayern verzeichnete einen stärkeren Zubau, insgesamt mehr als doppelt so viel (4.549 Megawatt). Auch wirtschaftlich ist die Photovoltaik im Südwesten eine Erfolgsgeschichte: 2025 wurden insgesamt gut 2,3 Milliarden Euro in Photovoltaikanlagen und Solarstromspeicher investiert. Ein Großteil davon verbleibt im Land.
In Baden-Württemberg sind nun Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 14,6 Gigawatt installiert. Rein rechnerisch können sie rund vier der 5,2 Millionen Haushalte im Südwesten mit Strom versorgen.
Vergütungsstopp für Neuanlagen bei negativen Strompreisen verkraftbar
Ein Grund für den Einbruch bei den Dachanlagen ist die rasante Zunahme der Stunden mit negativen Strompreisen. Betreiber neuer Solaranlagen erhalten in diesen Zeiten seit Anfang 2025 keine Einspeisevergütung mehr für ihren Solarstrom. Das drückt die Ausbauzahlen nach unten: Manche verzichten etwa ganz auf eine Solaranlage. Andere wiederrum optimieren ihre neue Anlage auf Eigenverbrauch hin – entsprechend kleiner fällt die Anlage aus. In Letzterem sieht Carolin Grieshop eine mögliche sinnvolle Strategie, für Privatanlagenbetreiberinnen und -betreiber: „Der Vergütungsstopp für Solaranlagen in Zeiten negativer Strompreise kann so durch Eigenverbrauch und Speicherung aufgefangen werden“. Würden sich die Anlageneigentümerinnen und Anlageneigentümer entsprechend umorientieren, bleiben ihre Photovoltaikanlagen weiter wirtschaftlich, so Grieshop. Zu klein dürfe die Photovoltaikanlage aber auch nicht werden, warnt Grieshop. Wer sich künftig eine Wärmepumpe und ein Elektroauto anschaffe, brauche deutlich mehr von dem günstigen Solarstrom als aktuell.
Zum Hintergrund: Gut ein Viertel des Stroms, 27 Prozent, den Photovoltaikanlagen 2025 in das Netz einspeisten, fiel in Zeiten mit negativen Strompreisen. 2025 gab es davon 576 Stunden, berichtete die Badische Zeitung am 24. Dezember 2025 mit Verweis auf Zahlen des Beratungsbüros Enervis Energy Advisors aus Berlin. Negative Strompreise kommen insbesondere mittags in den sonnenreichen Monaten von Mai bis August vor.
Vollständiger Vergütungsstopp bei neuen Kleinanlagen ohne Ersatz nicht akzeptabel
Ein ganz anderes Kaliber als der Vergütungsstopp in Zeiten negativer Strompreise wäre die geplante vollständige Streichung der Einspeisevergütung für neue Kleinanagen durch den Bund. Würde dies durchgesetzt, brächte das keinen Rückenwind, sondern starken Gegenwind, kritisiert Grieshop. Die Bundesregierung müsse die künftige Förderung für die Photovoltaik ab 2027 so gestalten, dass der Ausbau nicht abgewürgt werde. Ein weiter starker Ausbau auf den Dächern sei entscheidend, um Energieautonomie für Baden-Württemberg und die Paris-Ziele zu erreichen. Das bisherige Fördersystem über das EEG ist nur bis Ende 2026 europarechtlich abgesichert.
Derzeit passiert in Berlin jedoch mit dem diskutierten Ende der Einspeisevergütung für private Dachanlagen und Debatten über eine „überzogene Energiewende“ das genaue Gegenteil. „Statt Investoren für erneuerbare Energien zu motivieren, sät Ministerin Reiche seit rund einem halben Jahr Verunsicherung, die sich bereits im schwächelnden Segment der Dachanlagen abzeichnet“, kritisiert Grieshop. „Bundeswirtschaftsministerin Reiche muss hier nun endlich für Klarheit sorgen und die Änderung zurücknehmen. Die Zeit drängt.“
Stattdessen sollte das bisherige Fördersystem einerseits weiterentwickelt, andererseits in Einklang mit den EU-Vorgaben gebracht werden. Eine Alternative sei der Vorschlag, die aktuelle Förderung grundsätzlich weiter zu behalten, jedoch kombiniert mit Rückzahlungsinstrumenten für Übergewinne. Übergewinne sind Einnahmen, die über den Förderbedarf hinausgehen. Der Wegfall der Einspeisevergütung sei für Kleinanlagenbetreiber allenfalls verkraftbar, wenn endlich ein ordentliches Angebot zur Direktvermarktung für kleine Anlagen erfolge sowie die technische Voraussetzung dafür, der Smart-Meter-Rollout. Beides ist in Deutschland noch nicht der Fall.
4.000 Megawatt pro Jahr im Südwesten erforderlich
Insgesamt benötigt der Südwesten künftig 4.000 Megawatt installierte Photovoltaikleistung pro Jahr, hat eine Berechnung des Solar Clusters ergeben. Die zusätzliche Leistung ist nötig, um die Wirtschaft mit günstigem, klimafreundlichem Strom zu versorgen. Die vom Solar Cluster geforderten Ausbauzahlen decken sich mit denen anderer Institutionen und Experten. So geht etwa der Netzentwicklungsplan der vier Übertragungsnetzbetreiber von bis zu 3.500 Megawatt erforderlichem Solarzubau pro Jahr allein in Baden-Württemberg aus.
Was ein Ausbau in der Höhe von 4.000 Megawatt im Land bedeutet, zeigen folgende Zahlen: Pro Tag müssten im Südwesten rund 350 mittelgroße Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern mit rund zehn Kilowatt installierter Leistung in Betrieb gehen und zehn neue Anlagen auf Gewerbegebäuden oder über Parkplätzen mit einer installierten Leistung von rund 350 Kilowatt. Hinzu kommen 140 Solarparks mit einer installierten Leistung von zehn Megawatt im Jahr.
Aufgaben für Land und Regionalverbände
Vom Land wünscht sich der Branchenverband eine Anpassung des Ausbauziels auf 4.000 Megawatt pro Jahr. Derzeit liegt das Ziel bei rund 1.850 Megawatt pro Jahr. Insgesamt wird laut Solar Cluster bis 2040 eine Größenordnung von rund 65.000 Megawatt erforderlich. Das Land solle zudem weiter verstärkt für die Photovoltaik werben. Auch die Regionalverbände seien am Zuge: Sie könnten dem Photovoltaikausbau noch mehr Schub verleihen, indem sie die Regionalplanung für Solarparks zusammen mit den Kommunen jetzt endlich fertigstellen.
Wer eine Solaranlage betreibt, profitiert von einer günstigen, kostenstabilen Stromversorgung, erhöht damit seine Versorgungssicherheit und trägt zum Klimaschutz bei – eine Win-win-win-Situation. Mehr Photovoltaik im Land ist auch für die Wirtschaft im Südwesten überlebensnotwendig. Photovoltaikanlagen passen auf Dächer und an die Fassade, auf überdachte Parkplätze, auf Baggerseen, an Autobahnen und Schienenwege sowie als Solarparks auf Freiflächen.
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