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Minus 43 Prozent: Ausbauziele der Photovoltaik verfehlt. Vergütungssätze erstmals nicht gesenkt / EEG-Umlage steigt leicht

Im vierten Quartal 2015 bleiben die Vergütungssätze gleich. Änderung dagegen bei der EEG-Umlage: Ab 1. Januar steigt sie um 0,18 Cent pro Kilowattstunde.

Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Wohnhauses. (Foto: Fotolia.)

Erstmals seit der Einführung des EEG vor 15 Jahren erhalten neu errichtete Photovoltaikanlagen keine geringeren Vergütungssätze als Neuanlagen aus dem Vormonat. Im Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2015 bleibt die Förderung für neue Hausdachanlagen bis 10 Kilowatt installierter Leistung mit 12,31 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gleich hoch – in den Monaten davor sank der für 20 Jahre garantierte Satz monatlich um jeweils 0,03 Cent pro kWh. Die etwas geringeren Beträge für größere Neuanlagen ändern sich ebenfalls nicht. Der Grund für den Kürzungsstopp sind die drastisch sinkenden Zahlen bei den Neuinstallationen, berichtet die Branchenvereinigung Solar Cluster Baden-Württemberg.

In den vergangenen 12 Monaten bis August 2015 unterschritt der Zubau die politisch gewünschte Menge von 2.400 bis 2.600 Megawatt um fast die Hälfte. Nur noch 1.437 Megawatt wurden installiert. Zum Vergleich: 2012 waren es noch stolze 7.600 Megawatt. Die nicht weiter gekürzten Vergütungssätze sollen dazu führen, dass sich der Solarmarkt etwas erholt.

Derzeit ist der Einbruch des Photovoltaikmarktes in Deutschland nicht mehr zu leugnen. Während er weltweit deutlich wächst, fällt der Zuwachs hierzulande zum dritten Mal in Folge geringer aus. 2013 kamen noch 3.300 Megawatt hinzu. 2014 sank der Wert auf 1.900 Megawatt. 2015 werden wohl nur noch rund 1.200 Megawatt neu installiert. Die Ursache für den schwächelnden Markt mit Konsequenzen auch für die deutsche Solarindustrie sehen Fachleute wie Dr. Martin Stickel von dem Planungs- und Beratungsunternehmen Fichtner besonders in der im Sommer 2014 in Kraft getretenen EEG-Novelle.

Ohne Kurskorrektur rücken die aktuellen Ausbauziele in weite Ferne

„Das Gesetz belegt unter anderem den Verbrauch von selbst erzeugten Solarstrom bei Anlagen über 10 Kilowatt installierter Leistung mit einer Abgabe von derzeit knapp 2 Cent pro kWh“, so Stickel. Das könne die Einnahmen einer Solaranlage leicht um 20 Prozent oder mehr schmälern. „Der aktuelle Kürzungsstopp bei der Vergütung um 0,03 Cent pro kWh bringt daher keine relevante Verbesserung“, kritisiert Carsten Tschamber vom Solar Cluster. „Ändert der Gesetzgeber nicht grundlegend etwas, etwa durch den Wegfall der Eigenverbrauchsbelastung, wird der Photovoltaikmarkt in Deutschland weiter einbrechen. Das gefährdet die heimische Wirtschaft und Arbeitsplätze.“

Für Hausbesitzer lohnt sich Solarstrom vom eigenen Dach übrigens weiterhin. Sie lassen sich meist Anlagen mit einer Größe unter 10 Kilowatt installierter Leistung (kWp) auf das Dach schrauben und müssen so die Eigenverbrauchsabgabe nicht bezahlen. Jährliche Renditen um die 5 Prozent sind deshalb gut möglich. Im gewerblichen Bereich sieht es dagegen anders aus. Dort verhindert die Eigenverbrauchsbelastung bei größeren Anlagen viele Investitionen. Die Planer müssen sehr genau planen und knapp kalkulieren, damit sich eine Solaranlage lohnt. Viele versuchen es daher erst gar nicht.


 

Infokasten:

Die EEG-Umlage zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien, ein Bestandteil der Stromrechnung, wird im Jahr 2016 von 6,17 Cent auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde (kWh) steigen. Das ist ein knapper Fünftel Cent oder 3 Prozent mehr als 2015.

Der leichte Anstieg liegt besonders an den gesunkenen Börsenstrompreisen. Der Grund: Die Verbraucher gleichen mit der EEG-Umlage die Differenz zwischen der Höhe des Börsenpreises, den der Ökostrom erzielt, und der Höhe der Vergütung für die Solaranlagen und Windräder aus. Sinkt der Börsenstrompreis nun aufgrund des preissenkenden Einflusses der erneuerbaren Energien um mehrere Cent pro kWh wie in den vergangenen Jahren, hat das eben zur paradoxen Folge, dass die EEG-Umlage steigt. Insgesamt mehr zahlen müssten die Verbraucher ab nächstem Jahr dennoch nicht. Zwar erhöht sich durch den geringeren Börsenstrompreis die Umlage. Doch für die Stromversorger sinken auch die Einkaufspreise. Gäben sie ihre Ersparnis weiter, würde sich das zumindest ausgleichen und der Strompreis für das Jahr 2016 nicht steigen.

Auch neue Offshore-Windenergieparks tragen zu den minimal gestiegenen Kosten bei. Die günstige Solarenergie dagegen hat darauf praktisch keinen Einfluss mehr, haben Berechnungen des Branchenverbands Solar Cluster Baden-Württemberg ergeben: Jedes zusätzlich installierte Gigawatt erhöht die Umlage nur um 0,02 Cent pro Kilowattstunde. Bei dem prognostizierten Zubau von gut einem Gigawatt 2015 liegt das im nicht mehr wahrnehmbaren Bereich: Knapp ein vierzigstel Cent.


 

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