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Dr. Carsten Tschamber: Das Solar Cluster BW e. V. und die Internationalisierung der Solarbranche

Zur Zeit der Gründung des Solar Clusters Baden-Württemberg im Jahr 2012 war Internationalisierung noch kein Thema. Der deutsche Markt für Photovoltaik-Produkte bot Aufträge in ausreichender Menge. Aber innerhalb kürzester Zeit hat sich die Situation dramatisch gewandelt: Der Markt hierzulande brach ein und für die baden-württembergische Industrie wurde die Expansion ins Ausland zum Überlebensfaktor.

Dr. Carsten Tschamber, Geschäftsführer des Solar Clusters BW e. V. / ©: Marc Holzner

Zukunftsmärkte: Grosse Länder mit steigenden Strompreisen

Und so hat der Geschäftsführer des Solar Clusters BW, Dr. Carsten Tschamber, jene Regionen identifiziert, die als Zukunftsmärkte Chancen für seine gut 40 Mitglieder boten. Besonders im Blickpunkt: große, sonnenreiche Länder, die sich durch steigende Strompreise und einen wachsenden Energiebedarf hervortun. Tschambers Wahl fiel zunächst auf Brasilien. Seit 2013 nahm der Clustermanager an insgesamt fünf von bw-i organisierten Delegationsreisen in das südamerikanische Land teil und bahnte für seine Mitglieder vor Ort Geschäftskontakte an – mit Erfolg.

Mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), dem Fraunhofer ISE und dem Fraunhofer IPA erhielten gleich drei Clustermitglieder einen umfangreichen Auftrag für eine Studie im Wert von 240.000 Euro. Mit der Unterstützung des Förderprogramms konnte Tschamber sein Cluster vor Ort entsprechend positionieren und bei den Auftraggebern, dem Industrieverband FIEP aus dem Bundesstaat Paraná sowie dem Betreiber des weltweit zweitgrößten Wasserkraftwerks Itaipú, Vertrauen in die Expertise seiner Mitglieder wecken. Im Rahmen der sogenannten „Green-Silicon-Machbarkeitsstudie“ wurde untersucht, inwieweit es sinnvoll ist, eine vollständige Photovoltaik-Wertschöpfungskette in der Region Paraná zu etablieren.

Sichtbare Erfolge: Joint Venture in Salvador, Bundesstaat Bahia

Brasilien beliefert als einer der weltweit größten Silizium-Exporteure die chinesische Photovoltaik-Modulproduktion. Dort allerdings werden die Module noch weitgehend mit Kohlestrom gefertigt. In Brasilien dagegen, so eines der Studienergebnisse, gelingt es dank der großen Wasserkraftwerke, komplett CO2-neutral zu produzieren. Für die Mitglieder des Solar Clusters BW eine äußerst positive Entwicklung: In Brasilien entstehen derzeit riesige Fertigungsstätten, wo mangels eigener Erfahrung die Expertise unterschiedlichster Branchenspezialisten aus Baden-Württemberg benötigt wird. Das Clustermitglied KACO new energy aus Neckarsulm etwa hat ein Joint Venture mit AN Solar aus Salvador im Bundes-staat Bahia gegründet, um eine Wechselrichter- Produktion in Brasilien aufzubauen.

„Die ‚Green-Silicon‘-Studie und die Kooperationen sind sichtbare Erfolge, die wir mit Unterstützung von bw-i und durch einen effizienten Einsatz von Fördermitteln erzielen konnten“, freut sich Tschamber.

Lohnend: Diversifizierung bei der Internationalisierung

Jetzt geht der promovierte Physiker die nächsten Internationalisierungsschritte für das Solar Cluster BW an. Die erste Teilnahme an der von bw-i organisierten Delegationsreise nach Indien im Januar 2017 bildete den Auftakt, um zukünftig auch auf dem Subkontinent noch stärker präsent zu sein. Im Herbst 2017 hat eine interdisziplinäre Clusterdelegation vor Ort in Chennai und Delhi die Kooperationschancen für die baden-württembergische PV-Branche ausgelotet.

 

Mehr erfahren im Audio-Interview mit Dr. Cartsen Tschamber auf VoiceRepublic.com