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Die Energiewende im Südwesten beschleunigen

Netzwerktreffen der Photovoltaikbranche erfolgreich

Foto: Solar Cluster Baden-Württemberg / Uli Regenscheit

Am 20. November 2017 haben sich über 200 Interessierte auf dem Solarbranchentag Baden-Württemberg in Stuttgart getroffen. Gekommen waren Vertreter von Städten und Gemeinden, Unternehmen, Verbänden sowie der Politik. Als Schirmherr der Veranstaltung fungierte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Einen Tag lang diskutierten die Teilnehmer über den aktuellen politischen Rahmen und die Änderungsmöglichkeiten, die Stärken und Schwächen der Solarbranche, wie Städte und Gemeinden die Energiewende vor Ort vorantreiben können sowie über erfolgreiche Projektbeispiele. Die Branchenvereinigung Solar Cluster Baden-Württemberg veranstaltete zusammen mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg bereits den vierten Kongress dieser Reihe.

Zunächst einmal gab es positive Nachrichten: Photovoltaik lohnt sich immer mehr, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen und Kommunen im sonnigen Südwesten. Vor allem zwei Gründe machen den Solarstrom vom Dach profitabler: Die Anlagenkosten sind in den vergangenen zwölf Monaten um rund sieben Prozent gesunken. Die Einspeisevergütung für den nicht selbst genutzten Photovoltaikstrom ist in den Jahren 2016 und 2017 recht stabil geblieben – und wird es wohl auch 2018 bleiben. Mit einer reinen Einspeisung bei Kleinanlagen sind Renditen um die zwei Prozent möglich. Wird ein Teil des Solarstroms vom Dach selbst verbraucht oder werden die Anlagen größer, kann die Rendite jährlich auf über sechs Prozent steigen.

Studie bestätigt führende Rolle des Südwestens

Baden-Württemberg ist bei erneuerbaren Energien außerdem das führende Bundesland in Deutschland. Das geht aus einer im November vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Kooperation mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) veröffentlichten Studie hervor. Diese bewertet die politischen Anstrengungen ebenso wie die Erfolge bei der Nutzung erneuerbarer Energien und die Fortschritte beim technologischen und wirtschaftlichen Strukturwandel.

Dass Baden-Württemberg durchaus stolz auf den Titel sein kann, aber sich nicht darauf ausruhen darf, unterstrich auch Minister Franz Untersteller und stellte konkrete Forderungen an die zukünftige Bundesregierung hinsichtlich der Nutzung von Sonnenstrom: „Mit ihrem rigorosen Ausbaudeckel und der Belastung von Solarenergie für den Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage hat die bisherige Bundesregierung im Rahmen ihrer jüngsten EEG-Novellen der Solarwirtschaft quasi den Stecker gezogen und den einst starken deutschen Solarmarkt nun vollends in die Nische gedrängt. Wir müssen endlich wieder Tempo machen bei der Photovoltaik und nicht mehr, wie bisher, bremsen.“

Solaroffensive im Land soll Photovoltaik-Zubau steigern

Großes Ausbaupotenzial sieht Franz Untersteller bei Photovoltaikanlagen auf Freiflächen in benachteiligten Gebieten und Mieterstrommodellen. Schon für das nächste Jahr hat der Minister im Rahmen einer „Solaroffensive“ zudem die Förderung von regionalen Initiativen zur Unterstützung der Photovoltaik vor Ort angekündigt. Zudem soll es Landesgelder für stationäre, netzdienliche Photovoltaik-Batteriespeicher geben, wenn sich Gebäudeeigentümer eine neue Photovoltaikanlage zulegen. Ziel der Maßnahmen ist es, den Photovoltaikzubau im Südwesten erheblich zu steigern. 2016 lag er nur noch bei rund 150 Megawatt installierter Leitung. 2012 war es viermal so viel - einem Wert der notwendig ist, um die von Land und Bund gesteckten Klimaziele zu erreichen. Angesichts der gesunkenen Preise ist das Kostenargument gegen den PV Ausbau obsolet, insbesondere im Bereich der Photovoltaik auf Freiflächen.

Kommunen und Verbände sind stärker gefragt

Prof. Dr. Dagmar Borchers von der Uni Bremen präsentierte eine weitere Sichtweise auf die Energiewende: Damit die Energiewende von allen Bürgern und Akteuren getragen würde, benötigt es ihrer Ansicht nach einen Libero. Der Libero ist ein Verteidigungsspieler ohne festen Gegner, ist dadurch flexibel im Team nutzbar und kann auch auf Angriffsspiel umschalten. Diese Rolle sieht sie bei Verbänden und Kommunen, die der Energiewende mit lokaler Vernetzung und Beratung der potenziellen Solarenergie-Nutzer einen festen Rückhalt bieten können.

Dies bestätigte auch Heiko Schwarzburger, Chefredakteur des Branchenblattes „Photovoltaik“: „Eine wichtige Aufgabe für Kommunen ist, Bürger unabhängig zu Solarstromanlagen zu beraten.“ Über erste Erfolge dabei berichtete Malte Thoma vom Umweltschutzamt der Stadt Freiburg. Mit der Sonnenenergie-Kampagne „Dein Dach kann mehr“ ist es gelungen, den Ausbau von PV-Anlagen auf privaten Wohngebäuden nach vier rückläufigen Jahren wieder zu beleben: „Die neutrale Beratung durch die Stadt wird sehr gut angenommen, die Installation von Solaranlagen bei Hauseigentümern hat deutlich zugenommen“, unterstrich Thoma seine Ausführungen.

Solarbranchentag informiert, vernetzt und kommuniziert Best Practice

Das Fazit: Die Energiewende und der Ausbau der Photovoltaik gerade in Baden-Württemberg ist schon weit gekommen – aber noch nicht weit genug. Das Zusammenspiel von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Energiegenossenschaften, Verbänden, Kommunen, Unternehmen und der Politik kann bereits erste Erfolge verzeichnen. Dennoch bedarf es noch stärkerer Anstrengungen aller beteiligten Akteure, um die Klimaziele zu erreichen.

Der Solarbranchentag bietet als gemeinsame Veranstaltung von Umweltministerium und Solar Cluster Baden-Württemberg die Chance, die Akteure zu vernetzen, von gelungenen Projekten der anderen zu lernen und so gemeinsam die Energiewende im Land voranzutreiben. Im kommenden Jahr gibt es diese Chance wieder auf dem 5. Solarbranchentag Baden-Württemberg am 12. November 2018.

Die Vorträge des 4. Solarbranchentags können hier  heruntergeladen werden.

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