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Die Talsohle ist durchschritten. Oder?

Die Stimmung in der Branche scheint mir so gut wie lange nicht mehr. In unzähligen Gesprächen auf der Intersolar in München wurde mir versichert...

Lücke statt SolarWorld-Stand auf der Intersolar

In unzähligen Gesprächen auf der Intersolar in München wurde mir versichert, der Auftragseingang, die Auslastung seien hoch, man sei zufrieden, es gebe viel mehr zu tun als noch im letzten Jahr. Niemand hat gejammert – das habe ich noch nie erlebt. Klar, über das Mieterstromgesetz sollen eine Reihe von kleinen und mittleren Gemeinheiten in das EEG eingeführt werden, die uns das Leben wieder ein wenig schwerer machen werden. Aber daran hat sich die Solarwirtschaft mittlerweile schon fast gewöhnt. Selbst die schmerzhafte Lücke, die SolarWorld – im wahrsten Sinne des Wortes – in Halle A1 hinterlassen hat, tat dem Optimismus keinen Abbruch.

Alles gut also?

Ein Blick auf die Zahlen verrät zunächst, dass im April 2017 der Zubau mit 131 MWp mehr als doppelt so hoch war wie im selben Monat des Vorjahres (63 MWp) und auch deutlich höher als im März 2017 mit 102 MWp. Insgesamt wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 421 MWp installiert. 2016 waren wir zu dieser Zeit erst bei 250 MWp. Also wird 2017 deutlich besser als 2016? Abwarten. Wenn wir weiterhin im Schnitt ca. 100 MWp pro Monat installieren, dann kommen wir am Ende des Jahres auf, genau, 1.200 MWp. Die Energiewende schaffen wir so nicht. Ich will jetzt nicht pessimistisch klingen, aber die Auslastung der einzelnen Unternehmen und die Stimmung scheinen sich noch nicht am Markt bemerkbar zu machen. Entweder haben wir mittlerweile nur noch wenige Akteure, die den kleinen deutschen Markt unter sich aufteilen, oder aber die Branche macht ihr Geschäft mittlerweile vornehmlich im Ausland. Vielleicht machen sich die erhöhten Auftragseingänge auch erst in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar? So sehr mich also der Optimismus freut, so sehr frage ich mich, wie das Gefühl mit den Zahlen zusammenpasst.

Bayern schlägt Baden-Württemberg mit 18:1

Und dann das 18:1 der Bayern gegen Baden-Württemberg! Nein, es geht nicht um Fußball (herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an den VfB zum Aufstieg!). Es geht um die Zuschläge für PV-Freiflächenanlagen auf benachteiligten Flächen, also Äckern oder Grünland. 18 davon gab es bei der letzten Ausschreibungsrunde (Gebotstermin 1. Juni 2017) in Bayern, nur einen einzigen in Baden-Württemberg! Woran liegt das? In beiden Ländern scheint die Sonne. In beiden Ländern gibt es Unternehmen, die willens und in der Lage sind, große PV-Anlagen zu bauen. Und so viel kleiner ist Baden-Württemberg nicht. Die Verordnungen zur Freiflächenöffnung sehen in Bayern eine Beschränkung auf 30 Anlagen pro Jahr vor, in Baden-Württemberg auf 200 Hektar bzw. 100 MWp. Beide Limits wurden nicht erreicht. Warum also klappt das in Bayern (mal wieder) viel besser als bei uns? Liegt es an der Gewannflur? Die Vermutung liegt nahe, der einzige baden-württembergische Solarpark in Granheim bei Ehingen an der Donau umfasst stolze 41 Flurstücke. In Bayern sind das im Durchschnitt nicht mal vier und maximal elf. Oder liegt es am Widerstand lokaler Bürgerinitiativen, der Bauern- oder Naturschutzverbände? Der Landesregierung, den Regionalverbänden? Gibt es ein Informationsdefizit bei den Kommunen? Was ist das Problem? Ich weiß es nicht.

Gebote bei Ausschreibungen steigen an

Insgesamt hat die Öffnung der Flächen im Süden der Republik aber offenbar zu einem deutlichen Anstieg der Gebote geführt. Mit 133 eingereichten Projekten hat sich die Anzahl im Vergleich zur letzten Runde (76) fast verdoppelt. Darüber hinaus sank der mittlere (!) bezuschlagte Preis noch einmal um 0,9 auf nunmehr 5,66 Cent pro Kilowattstunde! Damit liegt die Photovoltaik sogar leicht unter dem mittleren Zuschlag für Wind an Land (5,71 Cent pro Kilowattstunde). Ob das nachhaltig ist? Ich weiß es nicht. Die gemeinsamen Ausschreibungen für Wind und PV versprechen jedenfalls dann doch spannend zu werden. Vielleicht enden sie ja mit einer Überraschung aus Sicht der Photovoltaik?

Hat die Politik ihr Ziel erreicht?

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus zwei Jahren Ausschreibungen ziehen? Ich erinnere mich gut an das Heulen und Zähneklappern unserer Branche vor Einführung der Ausschreibungen. Die würden zu höheren Kosten für die Energiewende führen und man kenne das aus anderen Ländern, da blieben die Realisierungsraten weit hinter den Erwartungen zurück. Und was ist passiert? Wir lagen komplett falsch, zumindest was diese beiden Aspekte betrifft: So ist die mittlere Förderhöhe für Strom aus PV-Freiflächenanlagen seit der ersten Runde Mitte April 2015 innerhalb von zwei Jahren um gut ein Drittel von 9,17 auf eben 5,66 ct/kWh gesunken.

Damit ist das wichtigste Ziel der Politik erreicht. Auch bei der Realisierungsrate gibt es (noch) nicht viel zu meckern. Bis zum Stichtag wurden 96 % der Anlagen aus der ersten Ausschreibung realisiert. Sicher sind Ausschreibungen (ohne Sonderregeln, siehe Wind) ein massives Hindernis für die Bürgerenergie und das Segment der Dachanlagen > 750 kWp ist tot. Es gibt also genug zu tun und zu verbessern. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder mal in Verruf geraten, nur zu nörgeln und unsere Pfründe sichern zu wollen (was wir ja anderen auch ständig vorwerfen).